nonfictional

Dr. phil. Satu Fischer-Kongtso, geboren 1989 in Hamburg. Studium der Ethnologie und Politikwissenschaft. Autorin, Ethnologin, Trainerin.

Wir können nicht Mensch sein, ohne der Welt – und uns selbst darin – Bedeutung zu geben. 
Geschichten prägen unser Denken, definieren was richtig ist, was echt ist, schaffen Fakten, konstruieren Identität. Jede Geschichte hat das Potenzial, der Welt ihren Stempel aufzudrücken – unabhängig davon, ob wir sie in den Abendnachrichten, bei Instagram, in der Mittagspause oder zwischen zwei Buchdeckeln erzählen. Dieser Verantwortung gerecht zu werden ist die größte Herausforderung der Demokratie und der Menschlichkeit. 

autorin

Als Wissenschaftlerin, Anti-Bias-Trainerin und Autorin interessiere ich mich für die Kehrseite des Selbstverständlichen, für die Bedeutung, die sich hinter Worten verbirgt. Ich bin fasziniert davon, wie Geschichten Wirklichkeit erschaffen und genauso schnell wieder einreißen können, wie Narrative Weltdeutung diktieren und im Widerstreit ihrer Perspektiven Macht auf Macht prallt.

ethnologin

Als Ethnologin habe ich den Einfluss kennengelernt, den kulturelle Narrative auf das Individuum ausüben, genauso wie ich gelernt habe, dass individuelle Biografien den Blick auf gesamtgesellschaftliche Fragen öffnen. Große Antworten stecken oft in kleinen Geschichten. Nicht umsonst ist Biographiearbeit eine wesentliche Säule ethnologischer Forschung, von den Anfängen des Faches bis heute.

Meine persönlichen Arbeitsschwerpunkte als Wissenschaftlerin liegen in den Bereichen Kulturtheorie, Identitäts- und Ethnizitätsforschung, Ethnolinguistik, Nationalismusforschung und Diskursanalyse

anti-bias trainerin

Kulturelle Narrative helfen uns bei der Orientierung. Sie definieren, wer wir sind, wo wir hingehören und was von uns erwartet wird. Sie definieren auch, wer „die Anderen“ sind und vor wem wir uns fürchten müssen, wer „wertvoll“ ist für unsere Gesellschaft und wer bloß Ballast, was „normal“ ist und was nicht.

Kulturelle Narrative sind Geschichten, eine Version von Wirklichkeit, komplex, tradiert, mächtig. Sie wiegen uns in Sicherheit. Sie führen uns in die Irre. Unser auf Hochgeschwindigkeit trainiertes Gehirn möchte ihnen glauben, denn sie suggerieren Effizienz, erlauben schnelle Entscheidungen, Bauchgefühle ohne langes Nachdenken.

Doch die Selbstverständlichkeiten des "gesunden Menschenverstands" sind nicht immer so selbstverständlich, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Allzu oft führen sie dazu, dass unser Gehirn – auf Autopilot und unter dem Radar unseres Bewusstseins – Menschen in Schubladen steckt, in die sie nicht gehören.

Im Zusammenspiel von biologischer Konstitution und kultureller Ordnung ist unser Bias ein Kollateralschaden – mit schwerwiegenden Folgen. Er schürt Konflikte, färbt Debatten, zementiert soziale Ungleichheit. Ob Rassismus, Klassismus, Ableismus, Sexismus – sie alle beginnen mit einer Geschichte.

Bücher

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